„RHEIN! Sechzehn: Literatur & Musik“



Am 5. Mai 2017 fand in Köln „RHEIN! Sechzehn: Literatur & Musik“ statt mit Lesungen der beiden im Rheinland lebenden rußlanddeutschen Autorinnen Irina Enss und Irina Malsam und des Kölner Lyrikers Manfred Enzensperger. Kurt Roessler stellte mit Textbeispielen das neue „RHEIN!““-Heft vor. Christoph Felder zeigte seinen Kurzfilm „Rubens - eine Kindheit in Köln“. Die russischstämmige Pianistin Alexandra Felder spielte Astor Piazzola und Bill Evans, der Gitarrist Leonhard Beck „Orpheus Klage“ von Bernd Hänschke und „Drei Tentos“ von Hans Werner Henze. Stellvertretend hier die Bewertung eines Zuhörers: „Es war ein toller Abend! Wir haben uns noch lange darüber unterhalten.“



KUNST ALS BRÜCKE: DEUTSCHLAND UND RUSSLAND, LITERATUR UND MUSIK

Das Dritte Kunstfest des KUNSTGEFLECHTS



Am 25. November 2016 fand in Köln das Dritte Kunstfest des KUNSTGEFLECHTs statt. In einer Zeit voller Konflikte und Konfrontationen hat die tiefe geschichtliche und kulturelle Verbindung zwischen der Mitte und dem Osten unseres Kontinents eine besondere Bedeutung – nicht zuletzt getragen von Millionen Rußlanddeutschen, Kontingentflüchtlingen und russischen Zuwanderern, die vor allem nach 1990 in unser Land kamen.

Nachdem der Komponist Bernd Hänschke, der Vorsitzende des Kunstvereins KUNSTGEFLECHT, mit seiner Begrüßung den Startschuß gegeben hatte, zeigte Professor Kurt Roessler in einem kurzen Überblick über die bisherigen sechzehn Ausgaben, was bekannte und unbekannte Kreative seit 2011 in Texten und Bildern zu unserer Zeitschrift „RHEIN!“ beigesteuert haben. Es folgte ein musikalischer Beitrag, der beispielhaft für die Arbeit und die Zielsetzung des KUNSTGEFLECHTS ist: die musikalische Umsetzung des Gedichts „Lorca“ aus der Feder des russischen Dichters Viacheslav Kuprianov durch Bernd Hänschke. Ursprünglich als Lied mit Gitarrenbegleitung komponiert, wurde dieses, als die vorgesehene Sängerin erkrankte und für die Uraufführung ausfiel, ebenso wie der zweite und dritte der „Drei lyrischen Gesänge“, denen zwei Gedichte von Agnes Gossen zugrunde liegen, zu einer Fassung für Klarinette und Gitarre umgearbeitet. Die rußlanddeutsche Dichterin Gossen las ihre beiden ausdrucksstarken Gedichte vor, ehe das klangschöne, sensible Spiel des Klarinettisten Martin Bewersdorff und des Gitarristen Leonhard Beck die Zuhörer die intensive Beziehung zwischen Texten und Musik deutlich erleben ließ.

In der ersten Lesung trug Artur Rosenstern aus Herford, 1968 als Sohn deutsch–russischer Eltern in Kasachstan geboren, einige Gedichte vor und gab dann einen Einblick in sein erstes belletristisches Werk „Planet Germania“. In ihm spiegelt sich seine eigene Lebenssituation wider - 1990 kam er nach Deutschland, wo er u. a. für Musikverlage sowie als Russisch–Übersetzer arbeitete.

Die zweite Lesung machte mit Waldemar Weber bekannt. Der Schriftsteller wurde als Sohn rußlanddeutscher Eltern 1944 in Westsibirien geboren und lebt seit 1994 als deutsch und russisch schreibender Autor sowie als Verleger in Augsburg und Moskau. Seine Gedichte hinterließen einen starken Eindruck - nicht zuletzt, weil ihr tiefer Ernst immer wieder durch kurze Einsprengsel von Komik relativiert, ja konterkariert wurde.

Die beiden restlichen musikalischen Abschnitte waren Alfred Schnittke (1934-1998), dem wichtigsten rußlanddeutschen Komponisten, vorbehalten. Zunächst spielte die russischstämmige Pianistin Alexandra Felder kraftvoll–virtuos drei Präludien und eine Fuge, die der junge Schnittke 1953/54 komponierte. Diese Stücke ließen deutlich seine Eingebundenheit in die Tradition erkennen, die neben zeitgenössischem Idiom integraler Bestandteil seiner Musik ist.

Die abschließende Lesung aus einem noch unfertigen Roman übernahm die Dresdner Schriftstellerin Eleonora Hummel. 1970 im kasachischen Zelinograd/Astana geboren, kam sie als Kind mit ihrer Familie 1982 in die DDR und lernte erst dort Deutsch. Die drei vielbeachteten Romane der mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichneten Autorin erschienen im Göttinger Steidl Verlag.

Vier Lieder in russischer Sprache von A. Schnittke aus seiner 1975 entstandenen Musik zum Schauspiel „Don Carlos“ schlossen den musikalischen Teil des Abends ab. Die russische Mezzosopranistin Elena Knapp und Alexandra Felder waren ideale Interpretinnen. Elena Knapp machte in diesen Liedern auf Schillersche Gedichte die slawisch-osteuropäische Gefühlswelt deutlich erkennbar, was die rund fünfzig Zuhörer mit begeistertem Applaus dankten.

Abgeschlossen wurde der Abend durch die Verleihung des Dritten KUNSTGEFLECHT–Preises nach einem Wettbewerb zum Thema „Brücke(n)“, an dem sich 75 Künstler aus mehreren europäischen Ländern beteiligten. Die beiden Ehrenpreise, je ein Gemälde der Malerinnen Monika Krautscheid-Bosse (Neustadt/Wied) und Marita Dymny (Niederkassel), gingen an die Krefelder Malerin Brigitte Baldauf und an den Mainzer Photographen Bastian Kienitz. Der Hauptpreis wurde erstmals geteilt und zu gleichen Teilen verliehen an den Frankfurter Maler Professor Gerhard Silber (*1950) für seine großformatigen kritisch-realistischen Gemälde „Refugees I-III“ und an den in Norditalien lebenden jungen Schriftsteller Federico Scarpin (*1998) für seine Erzählung „Die Lateinerbrücke“. Angesichts dieses begeisternden Abends ist es sicher, daß das KUNSTGEFLECHT weiter an der Vernetzung schöpferischer Projekte arbeiten wird. WORTE, BILDER, KLANG werden in gemeinsamer spartenübergreifender Arbeit, in der Zeitschrift „RHEIN!“, in Veranstaltungen und Wettbewerben zusammenfinden!

Bernd Hänschke / Rolf Stolz

RHEIN! Zwölf
„Neue Literatur, Klangcollagen, Videos von Kunstaktionen“


Montag 23. 5. 2016, 20 Uhr, „GOLDMUND“, Glasstraße 2, 50823 Köln-Ehrenfeld (Nähe S-Bahnhof). Eintritt frei.


Vorstellung der neuen Ausgabe von „RHEIN!“ Zeitschrift für Worte, Bilder, Klang (Nr. 12, Mai 2016): Texte von Alban Nikolai Herbst, Elisabeth Plessen, Lutz Rathenow, SAID usw. – Lesungen – Klangcollagen von Raphael Beck auf dem